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Editorial

Sehr geehrte Aktionärin

Sehr geehrter Aktionär

Das Jahr 2020 stand ganz im Zeichen der COVID-19-Pandemie. Das Virus hat das gesellschaftliche Leben im vergangenen Jahr grundlegend verändert und stellte jeden Menschen, die Gesellschaft und die Wirtschaft vor grosse Herausforderungen. Regierungen waren veranlasst, weitreichende Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu verordnen. So auch in der Schweiz. Die Einschränkungen haben die Gesellschaft und die Wirtschaft auf eine harte Probe gestellt und wir müssen wohl mit langfristigen Auswirkungen der Pandemie rechnen.

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Orell Füssli zeigte in diesem schwierigen Jahr Krisenfestigkeit. Dank unseres robusten Geschäftsmodells, einer soliden Bilanz, eines umfassenden Krisenmanagements sowie flexiblen und engagierten Mitarbeitenden vermochten wir die negativen Auswirkungen der Pandemie zu einem erheblichen Teil einzugrenzen. Orell Füssli konnte sich 2020 in einem schwierigen Marktumfeld behaupten. Obwohl der Umsatz als auch die Profitabilität tiefer als im Vorjahr ausfielen und der Cashflow aufgrund von hohen Investitionen negativ war, sind wir dank unserer soliden Bilanz in der Lage, Ihnen für das Geschäftsjahr 2020 eine Dividende zu zahlen.

Das solide Ergebnis basiert auf unseren beiden Pfeilern Sicherheit und Bildung: Einem Schweiz-Fokus beim Buchhandel und einem internationalen Geschäft mit langfristigen Staatsaufträgen im Sicherheitsdruck. Dies hat uns in der Corona-Krise geholfen. Zudem stellten wir gleichzeitig sicher, dass wir für die wirtschaftliche Erholung und die Zukunft optimal vorbereitet sind. Im vergangenen Jahr haben wir weiter an der Entwicklung unseres Konzerns gearbeitet, in die Erneuerung unserer Maschinen und Technologien investiert und die Digitalisierung vorangetrieben. Die COVID-19-Pandemie beschleunigte die Digitalisierung noch einmal deutlich und unterstreicht die Richtigkeit des Engagements von Orell Füssli in E-Commerce, digitale ID-Lösungen und E-Learning.

Auch 2020 war der Markt für Banknoten und Wertdokumente intakt und die Nachfrage nach Banknoten während der COVID-19-Pandemie solide. Die Fundamentaldaten des Marktes für Banknoten und Wertdokumente sind robust und der Markt wächst jährlich um 4% bzw. 6%. Gerade in Krisenzeiten gewinnt Bargeld als Wertaufbewahrungsmittel verstärkt an Bedeutung. Trotzdem ist das Geschäftsumfeld in den letzten Jahren spürbar anspruchsvoller geworden. Überkapazitäten im Markt für Sicherheitsdruck führten zu Preisdruck und erhöhter Wettbewerbsintensität. Auch der Buchhandel in der Schweiz blickt auf ein anspruchsvolles Jahr zurück, dies vor allem wegen des Lockdowns im Frühjahr und der kantonal sehr unterschiedlichen Corona-Vorschriften für den Detailhandel.

Operativ verlief das Geschäftsjahr 2020 für den Orell Füssli Konzern den Erwartungen entsprechend. Sowohl Auftragsbestand als auch Auftragseingang befanden sich auf einem soliden Niveau. Der Nettoerlös des Orell Füssli Konzerns reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr um 8% auf CHF 218.6 Mio. (Vorjahr: CHF 237.4 Mio.), was sich mit dem schwierigen Marktumfeld, den Auftragsverschiebungen im Sicherheitsdruck und dem Verkauf einer Aktivität von Zeiser im Vorjahr erklären lässt. Das Betriebsergebnis (EBIT) verringerte sich gegenüber dem Vorjahr auf CHF 14.4 Mio. (Vorjahr CHF 18.2 Mio.). Das Jahresergebnis erhöhte sich bedingt durch Steuer- und Finanzeffekte auf CHF 15.0 Mio. (Vorjahr CHF 10.9 Mio). Die Eigenkapitalquote ist mit 68.4% im Vergleich zum Vorjahr leicht höher (Vorjahr 66.8%).

In der Division Sicherheitsdruck verbinden wir technologisch hochkomplexe Sicherheitsmerkmale mit einzig­artigen Kompetenzen in der Drucktechnik. Als langjähriger Partner des Staates und führender Spezialist für Sicherheitstechnologien und Individualisierung von Wertdokumenten bieten wir sichere und innovative Lösungen für Banknoten, Wertdokumente und individuelle Identitätsdokumente an. Das Geschäft zeichnete sich auch in der Pandemie durch Stabilität aus, auch wenn das Marktumfeld derzeit schwierig ist. 2020 konnten die Gestaltung und die Produktion neuer Banknoten für Costa Rica und Bahamas erfolgreich lanciert und die Arbeiten an der nächsten Generation des Schweizer Passes und Fahrausweises weiter vorangetrieben werden. Trotz pandemiebedingter Reisebeschränkungen, die zu Verschiebungen bei der Auftragsakquisition im Projektgeschäft führten, konnten neue Aufträge im Exportgeschäft gewonnen und auf 63% des Gesamtvolumens gesteigert werden. Der Rückgang des Druckvolumens, verursacht durch die Ende September 2019 abgeschlossenen Erstausgaben der neunten Schweizer Banknotenserie, konnte durch den Gewinn neuer Kunden jedoch nicht vollumfänglich kompensiert werden. Folglich blieb der Umsatz 2020 wie erwartet leicht unter dem Vorjahresniveau.

WSGE_DP_GR_EBITDA

Die Division Zeiser blickt auf ein gutes Geschäftsjahr zurück und konnte von der erfolgreichen Neuausrichtung und Fokussierung auf den Bereich Serialisierung von Wertdokumenten wie Banknoten und Pässen profitieren. Für die Zukunft werden wir zudem strategische Möglichkeiten prüfen, wie die Banknotenserialisierung und die Individualisierung von Sicherheitsdokumenten weiterentwickelt werden können. Für das abgelaufene Geschäftsjahr konnte Zeiser die Profitabilität gegenüber dem Vorjahr nochmals steigern und der Auftragsbestand lag zum Jahresende auf hohem Niveau. Damit kann Zeiser das Jahr 2021 zuversichtlich angehen.

Der Buchhandel behauptete sich trotz COVID-19-Pandemie erstaunlich gut und vermochte das Geschäftsjahr leicht unter Vorjahr abzuschliessen. Das Ergebnis stellt in Anbetracht der coronabedingten Einschränkungen und zeitweisen Schliessung unserer Buchläden sowie wegen des Umbaus unserer grössten Filiale Kramhof in Zürich eine ausserordentliche Leistung der Division dar. Die über mehrere Jahre aufgebaute und nun sehr starke Position von Orell Füssli Thalia im Onlinehandel war der Schlüssel dazu, dass der Umsatzrückgang im vergangenen Jahr in Grenzen gehalten werden konnte. Die Division konnte auch im schwierigen Jahr 2020 die Position als Schweizer Marktführer im Buchhandel festigen und Marktanteile dazugewinnen. Wir werden die Omnichannel-Strategie, die Umsetzung der Sortimentsstrategie, die Erweiterung des Filialnetzes und den Ausbau des Geschäftskundenbereichs konsequent weiter vorantreiben.

Der Orell Füssli Verlag hat im abgelaufenen Geschäftsjahr die Transformation erfolgreich abgeschlossen und konzentriert sich künftig auf Lern- und Juristische Medien sowie auf die bekannten Kinderbuchmarken Globi und Carigiet für Kinder im Primarschulalter. Der Verlag verfügt in diesem Bereich über ein starkes und etabliertes Programm und wir sehen attraktives Potenzial für die Weiterentwicklung des Geschäftsbereichs und den Ausbau der Marktposition. Die COVID-19-Pandemie hat auch beim Thema digitales Lernen nochmals für einen Schub gesorgt.

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Mit dem Verkauf des Atlantis Verlags konnte Ende 2020 der vor zwei Jahren eingeleitete Strategieüberprüfungsprozess des Konzerns abgeschlossen werden. Dieser hat zu einer Stärkung der Marktposition der Divisionen beigetragen, die nun alle profitabel arbeiten. Orell Füssli ist heute noch klarer strukturiert, arbeitet effizienter und konzentriert sich auf ausgewählte Bereiche der Wachstumstrends Sicherheit und Bildung. Auf dieser gesunden Basis möchten wir unser Geschäft weiterentwickeln und die Zukunftsgestaltung von Orell Füssli aktiv angehen. Die Strukturen und Finanzen sind vorhanden. Attraktive Möglichkeiten sehen wir sowohl im Bereich Sicherheit als auch im Bereich Bildung. Beim Thema Sicherheit etwa gewinnen der Schutz physischer Wertanlagen gegen Missbrauch und Fälschung sowie das Verwalten und Nutzen von Identitäten mit der Digitalisierung weiter an Bedeutung. Weitere Opportunitäten bietet die steigende Nachfrage nach Online-Dienstleistungen, die immer mehr Behörden, Kantone und Gemeinden anbieten. Die digitale ID ist dazu ein zentraler Schlüssel. In diesem Bereich entsteht in den nächsten Jahren ein neues und attraktives Ökosystem an Dienstleistungen. Hier sehen wir Chancen für Orell Füssli, sich zu engagieren. Ein erster Schritt war die strategische Partnerschaft mit der Zürcher Firma Procivis AG. Auch das Thema Bildung wird zu einem immer wichtigeren Schlüssel des Wohlstands. Gegenwärtig evaluieren wir diverse strategische Optionen, um unser Bildungsgeschäft sowohl analog wie auch digital weiter zu stärken.

WSGE_DP_GR_Jahresergebnis

Im vergangenen Geschäftsjahr wurden auch zentrale Veränderungen auf Konzernstufe von Orell Füssli vorgenommen. Zur Vereinfachung der Konzernstruktur und zur betrieblichen Optimierung im administrativen Bereich wurden die Orell Füssli Holding AG und ihre 100% Tochtergesellschaften in der Schweiz zur neuen Orell Füssli AG fusioniert. Ebenso wurden betriebliche Abläufe und die IT optimiert und das Corporate Design des Konzerns wurde überarbeitet.

Orell Füssli hat zudem die Fachexpertise und Diversität auf allen Führungsstufen gezielt gestärkt. Neu wurden Mirjana Blume, Dr. Martin Folini und Dr. Luka Müller in den Verwaltungsrat gewählt. Sie bringen wertvolles juristisches, digitales und operatives Know-how in den Verwaltungsrat. Auf Stufe Geschäftsleitung wurde Désirée Heutschi zur neuen Leiterin Unternehmensentwicklung ernannt. Frau Heutschi verfügt über umfassende Erfahrung aus der Softwareindustrie und im Innovationsmanagement. Sie wird sich unter anderem um den Aufbau digitaler Geschäftsfelder des Orell Füssli Konzerns kümmern. Darüber hinaus wurden mit Frau Martina Barth als Leiterin der Orell Füssli Verlage und Frau Sonja Lütolf-Strupler als Leiterin Human Resources zwei weitere Frauen in zentrale Führungspositionen berufen. Beat Müller, unser langjähriger CFO, wird Ende Juli 2021 in den Ruhestand treten. Neuer CFO wird Reto Janser. Er bringt breite internationale Erfahrung als CFO aus Industrie- und Dienstleistungsunternehmen mit.

Aufgrund der weiterhin sehr präsenten COVID-19-Pandemie sind Prognosen für 2021 ausserordentlich schwierig. Basierend auf den Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr erwarten wir bei Zeiser und im Buchhandel ein Geschäft auf ähnlichem Niveau wie 2020. Beim Sicherheitsdruck gehen wir aufgrund des gegenwärtigen Produktmix im Auftragsbestand von einem leicht tieferen Umsatzvolumen aus. Für den gesamten Orell Füssli Konzern erwarten wir deshalb für das laufende Jahr einen etwas reduzierten Nettoerlös, aber weiterhin eine EBIT-Marge im mittleren einstelligen Bereich.

Der Verwaltungsrat empfiehlt den Aktionärinnen und Aktionären, an der Generalversammlung vom 11. Mai 2021 eine Dividende in Höhe von CHF 3.00 pro Aktie zu genehmigen. Es ist uns ein Anliegen, unsere Aktionärinnen und Aktionären regelmässig und auch in schwierigem Umfeld am Unternehmenserfolg zu beteiligen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Mitarbeitenden in allen Gesellschaften für ihr Engagement in einem schwierigen Jahr, bei unseren Kundinnen und Kunden und Partnern für die anhaltende Treue und bei Ihnen, liebe Aktionärinnen und Aktionäre, für das grosse Vertrauen in uns und das Unternehmen Orell Füssli.

Zürich, im März 2021

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Dr. anton bleikolm

Präsident des Verwaltungsrats

WSGE_DP_Unterschrift_CEO

daniel link

CEO